Gedichte

accordeon

 

MAX FRISCH

max frisch

sitzt am wachstisch

-
tuch,

schreibt ein buch

manchmal murmelt

er ‘ja so, ach nö, nein’

oder er bügelt,

schenkt wein ein

manchmal gepanscht mit

soda

aquavit

oder

er kaut laut

sauerkraut

auf roggenbrot

wie ein patriot

der max

am wachs

(alias herr frisch

am tisch).

 

ALPHA-TIER AUS DER PFÜTZE

Du sitzt in einer Pfütze

Du lallst, ob ich nicht wüsste

Wo du zur Zeit grad wohnst

Ich fische dich heraus

Und nehm dich mit nach Haus

Wenn nicht ich, wer sonst

 

Ich koche dir Kaffee

Draussen fällt schon Schnee

Geduscht kommst du zu mir

Du bist jetzt plötzlich schüchtern

Das kommt wohl vom ernüchtern

Du süsses Alpha-Tier

 

Du fragst mich schnell nach Kippen

Ich küsse deine Lippen

Atme Kaffeegeruch

Dann geh’n wir uns verstecken

Unter sieben Decken

Komm wieder auf Besuch

 

AFFÄRE IN GRÜN

Mein jahrelanger Traum wird wahr

Ich traf dich nachts in einer Bar

Da gingst du mir in den Radar

Du bist ein bisschen Bipolar

Dennoch sind wir ein gutes Paar

Gut, dass die Mutter dich gebar

Ich lieb dich jetzt und immerdar

Mein Vater findet das furchtbar

Der Grund dafür ist sonnenklar

Dein grünes Haar

 

ELEGISCHES PORTRAIT

Hallo, ich heiße Dominik, bin fünfundzwanzig. Seit

Drei Jahren arbeite ich im Finanzbereich.

Meine Beförderung neulich war Grund für Investitionen

Jetzt besitze ich Anzüge: einen für Abends, in Braun

Dann für die Arbeit, einen aus feinem Baumwollgemisch. Zu-

Letzt noch den schwarzen Herrenanzug der klassischen Art.

Das war der Teuerste, sicher, aber es hat sich gelohnt: Er

Ist für Traueranlässe als auch für Hochzeiten tauglich

Also quasi flexibel einsetzbar im Gebrauch.

Kürzlich, ganz aus Versehen gingen mir Dinge kaputt. Mein

Plattenspieler zum einen, einfach so war er dahin.

Ein Kleiderbügel zum andern und drittens Anjas Herz. Ich

Weiß auch gar nicht warum mir so was Dummes passiert.

 

FRÜHLING

Der Mollie fliegt, Sirenen summen,

Es ist zu warm, sich zu vermummen.

Den Pfefferspray wiegt Frühlingswind

Und Tränengas macht einen blind,

Wenn’s zwitschert aus der Gaspatrone

Hinein in die Gefahrenzone.

Bis abends ist der Kessel dicht,

Drumrum ein Schein von blauem Licht.

Die halbe Welt scheint zu erwachen,

Jetzt endlich einmal Luft zu machen,

Dem Unrecht das zum Himmel schreit.

Das ist die schönste Jahreszeit.

 

WELTFRIEDEN

Frieden auf Erden wünsch ich mir

Wenn das neue Jahr anfängt

Außerdem bin ich dafür

Daß die Bahn die Preise senkt

Brot statt Böller, ist doch klar

Doch da wär’ noch zu verkünden

Wir werden jetzt ab diesem Jahr

Böller anstatt Bomben zünden

Behoben würde jeder Zwang

Verboten würde jede Kette

Urbi et Orbi spräche dann

Vom Vatikan die Suffragette

 

HOMECOMING QUEEN

Die luftige Fisch tut mir so gut.

Mein Alkohol ist voller Blut.

Das katzenhafte Bordsteinlein

Schmiegt sich im Slalom an mein Bein.

Jetzt tür ich meine Schließe auf

Und silb’re an dem Dreheknauf.

Der Kopf ist schwer wie tiefer Schnee –

Klar, dass ich da nie Mäuse seh.

Oder fraß sie gar die Bordsteinkatze?

Sink ich noch denkend auf Matratze.

Ich gotte Dank dass es gelang

Den Abend glimpflich hab verbrang.

Ich lache die Gehöre wieder

Und äuge meine Schließelider.

 

DIE MÖWE (LA GAVIOTA OHE)

Es tönte aus einem Kinderwagen

Schrillendes Möwengeschrei.

Da fing ich an zu Hinterfragen:

Ist das nicht Tierquälerei?

Als ich dann ein Baby fand

Meldete sich mein Verstand:

Das Kind ist nicht vom Schwarzwald

(Denn das wäre kurios)

Das Kind wird hier am Hafen alt.

Schwarzwaldkinder ‘eulen’ bloß.

 

ALS ICH EINMAL DREIMAL KURZ GELACHT HABE

Die brave Frau, die kichert

Und applaudiert

Dem dicken Deutschen Scherzkeks

Mit triefend nassen Lippen

Durch Speichelfäden

Wird der nächste Witz gebläht

Was haben wir gelacht! Haha

Die Frau an seiner Seite kichert.

 

Die Frau an seiner Seite lacht

Und nimmt sich kontrovers die Macht:

Sie lacht im Bett

Der Deutsche Mann kriegt keinen hoch

Sein Selbstbewusstsein ging verloren

Irgendwann in einem Loch.

 

Jetzt sehnt er sich nach den treudoofen

Augen einer süssen dusseligen Frau

So drollig und naiv.

 

Die Frau lacht über Männerwitze

Sie lacht sich krumm und schief

Über den Potenzprotz

Lacht ihn nicht aus, trotz-

Dem sie das schon manchmal wollt’

Den selben Witz zigmal gehört

Zigmal Beifall gezollt

Aus Mitleid um

Die Schwachlendigen der Stammtischrunde.

 

AUS DEM TRIVIALEN ALLTAG EINER LANGZEITSTUDENTIN

Morgen

Die Straße füllt sich schon mit Rauschen.

Morgens werden Hundehaufen

So plattgedruckt, dass trotz Erkalten,

Sie ihren vollen Duft entfalten.

Ich gähne,

Setze den Kaffee auf ‘s Gas,

Poliere noch das Zahnputzglas

Und mache Tagespläne.

Der Morgen ist so unverbraucht.

Ich blättere die Zeitung, lese:

‘Verfolgungsjagt mit Beinprothese’

Und kratze mich an meinem Bauch.

 

Mittag

Ich starre jetzt auf einen Mann.

Langsam bahnt sich Hunger an.

Endlos ist das Lesen.

Er ist ein schönes Wesen.

Endlos ist das Schreiben.

Ich will mich an ihm reiben.

Er geht weg.

Zwischen Büchern und Studenten

Und Rechercheinstrumenten

Frage ich nach einem Zweck,

Esse Trockenobst und Nüsse.

Ob ich jemals absolviere?

Oder sinnlos existiere?

Chronische Gewissensbisse.

 

Abend

Ich trete feste in mein Rad.

Dann nehme ich ein Wannenbad.

Es kam Besuch vor ein paar Stunden:

Ein guter Freund, der war betrunken.

Noch schläft er in der Ecke.

Ich bring ihm eine Decke

Doch er wacht.

‘He, lass uns was erleben’,

Sagt er beim sich-Erheben,

‘Dass es so richtig kracht!’

Wir schlendern los zu Phillip’s Schenke.

Ich denke noch an Antithesen

Und schlafe selber ein am Tresen.

Nach geben meine Kniegelenke.

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